Die lange Tradition des Krankenhauses

Städtische Krankenanstalt – Medizinische Akademie – Helios Klinikum – so hieß bzw. heißt das größte Krankenhaus unserer Region in den wichtigsten Etappen seiner Entwicklung. Das heutige Helios Klinikum im Erfurter Norden gehört zu den modernsten medizinischen Maximalversorgern der Republik. Es kann auf eine lange, traditionsreiche Historie zurückblicken. Vor 138 Jahren wurden hier die ersten Patienten stationär versorgt.

Im Jahre 1880 hat Erfurt rund 50.000 Einwohner und zwei konfessionell gebundene Krankenhäuser: Das katholische und ein schon damals zu klein gewordenes evangelisches. Die Stadtväter beschließen daher den Neubau eines allgemeinen, nicht konfessionell gebundenen städtischen Krankenhauses am Nordrand der Stadt. Den Auftrag zur Ausarbeitung der Baupläne erhält der damalige leitende Arzt des evangelischen Krankenhauses, Dr. E. A. Brehme. Es wird der Bau einzelner Gebäude – sog. Pavillonbauten – favorisiert.

1881 entsteht ein Ensemble solcher Pavillonbauten; ein chirurgischer, ein medizinischer, ein Isolierpavillon für ansteckende Krankheiten, eine Epidemiebaracke sowie ein „Irrenhaus“. Außerdem werden ein Verwaltungsgebäude, eine Speise- und Waschküche, ein Stallgebäude, ein Leichenhaus und ein Pförtnergebäude errichtet. Das für damalige Zeiten besonders moderne Krankenhaus verfügt über 251 Betten.

In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts reicht die Bettenkapazität bereits nicht mehr aus. Erfurt ist gewachsen. Weitere Pavillonbauten werden errichtet und 400 Betten stehen nun bereit zur Versorgung der Kranken.

Zwischen 1926 und 1928 entsteht ein neues Chirurgiegebäude mit 235 Betten, drei Operationssälen und Laboren, Röntgen- und Massageräumen. Auch ein orthopädischer Turnsaal wird eingerichtet. Dieser Neubau gehört wiederum zu den modernsten seiner Zeit. Mit einem Erweiterungsbau ‚Innere Medizin‘ 1930 wird der Ausbau der Städtischen Krankenanstalten abgeschlossen.

Während des Zweiten Weltkrieges dient das Krankenhaus als Reservelazarett. Es wird als wehrmachteigene Krankenanstalt für die heilfürsorgeberechtigten Soldaten genutzt. Wehrmachtbeamte und Familienangehörige können aufgenommen werden, wenn genügend Raum vorhanden ist.

Der Krieg hinterlässt große Schäden an den Gebäuden und es mangelt an gut ausgebildeten Ärzten. So beschließt das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR am 20. Juli 1954, verstärkt Mediziner auszubilden – nicht nur in Erfurt, sondern auch in Dresden und Magdeburg. Am 7. September 1954 wird die Medizinische Akademie Erfurt feierlich eröffnet. Jetzt also werden an der Nordhäuser Straße nicht nur Ärzte beschäftigt, sondern auch ausgebildet. Später gilt das auch für Schwestern und Pfleger und ab 1975 ebenfalls für Zahnärzte.

Gleichzeitig werden bedeutende bauliche Erweiterungen vorgenommen, um den Anforderungen einer medizinischen Hochschuleinrichtung zu entsprechen. Es entstehen vier Außenbereiche verteilt im Stadtgebiet Erfurts – die Kinderklinik Am Schwemmbach, die Orthopädischen Klinik in der Regierungsstraße, der Hautklinik in der Arnstädter Straße und und die Frauenklinik in der Melanchthon Straße/Gorkistraße. Zudem werden ehemalige Hilfslazarette und sogar Pferdeställe umgebaut, in denen die Neurologie und die Psychiatrie untergebracht werden. Ein Pathologisches Institut wird neu errichtet. Mit Bauten für die Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Augenheilkunde, mit Hörsälen und verschiedenen Instituten etabliert sich die Medizinische Akademie Erfurt als hochspezialisierte klinische Ausbildungsstätte für Ärzte.

Zur Wende sind 3.555 Beschäftige in 38 Kliniken, Instituten und selbstständigen Abteilungen um die Patienten (damalige Bettenkapazität 2.100) und zudem um die Ausbildung von 606 Studenten bemüht. Die Ärzteausbildung endet 1993, was von Protesten begleitet wird. Von da an übernahm Jena diese Aufgabe. Die Medizinische Hochschule wird geschlossen. Mit den Gesellschaftern Stadt Erfurt und der Gesellschaft für Klinikmanagement Berlin (GFK) wird die Klinikum Erfurt GmbH gegründet, bestehend aus 21 Fachkliniken und drei Instituten mit insgesamt 1.500 Betten.

In den 90er Jahren werden ein Gebäude für zwei Linearbeschleuniger, eines für die Strahlentherapie / Radioonkologie und Nuklearmedizin gebaut, ein Kernspintomograph in Betrieb genommen, und bis 2002 ein Chirurgisches Zentrum errichtet, ein Helikopterlandeplatz geschaffen. Ebenfalls 2002 übernimmt Helios die Anteile am Klinikum von der Stadt Erfurt. Das Erfurter Klinikum ist damit das erste Universitätsklinikum Deutschlands in privater Hand.

Autor: B. Köhler   Foto: S. Forberg

Quelle: www.helios-gesundheit.de/erfurt 

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