Der Erfurter Norden hat eine Natur-Attraktion

Unzählige Male schon wollten wir schon anhalten und sie erklimmen, heute ist es so weit: Wir fahren zur Schwellenburg bei Kühnhausen und besteigen die terrassenförmig angelegten Hänge. So können wir den Erfurter Norden von diesem kleinen, nur rund 70 Meter aus der umliegenden Landschaft herausragenden Gipfel betrachten. 

Wir fahren über die Hannoversche Straße stadtauswärts Richtung Norden. Gleich hinter der Abfahrt Kühnhausen stellen wir das Auto ab und befinden uns direkt am Fuße der Schwellenburg. Sie ist der größte und markanteste einer Reihe von Gipskeuperhügeln. Früher, bis ins 17. Jahrhundert hinein, wurde hier Wein angebaut, zu Beginn des 20. Jahrhundert sind noch einmal Rebstöcke gesetzt worden. Weinbau war hier möglich, weil die Sonne die Hänge stark aufheizt. Deshalb hat sich hier auch eine submediterrane Pflanzenwelt entwickelt. Dem Weinbau sind die terrassenförmigen Abstufungen der Schwellenburg geschuldet.

Seit jeher diente die Schwellenburg auch als Weidefläche für Schafe – auch heute noch. Schäfer und Herde kann man oft von der B4 aus sehen. Diese lange Tradition als Weidelandschaft hat einen besonderen, für unsere Gegend eher untypischen Trocken- und Steppenrasen entstehen lassen. 

Am Fuße der Schwellenburg sind grau-rote Flächen zu erkennen, als wir weiter nach oben steigen, werden weiße Gesteine zwischen den Grasflächen sichtbar, das ist Heldburgips. Im vergangenen Jahrhundert wurde hier Gips abgebaut wie im Übrigen auch entlang der Landstraße zwischen Elxleben und Witterda. Mehrere Kalkmühlen wurden betrieben, um das Gestein – zunächst gemahlen, dann gebrannt – in einen begehrten Baustoff zu verwandeln. Der heutige Gipfel ist zerklüftet – die Reste des einstigen Steinbruches zum Gipsabbau. 

Eine botanische Besonderheit ist das Steppenstiefmütterchen, das sich in ganz Deutschland nur einmal findet – hier auf der Schwellenburg. Und auch sonst ist die Schwellenburg ein Mekka für Beobachter geschützter Pflanzen. Adonisröschen, Steppensalbei, Gelber Sommerwurz, Zierliches Johanniskraut und Roter Hornmohn gehören u. a. zur Flora des Hügels. Kein Wunder also, dass der Hügel unter Naturschutz steht, schon seit 1939.

Vom Gipfel aus betrachtet breiten sich die Felder aus, der Blick reicht auf der einen Seite bis zu den Fahnerschen Höhen, auf der gegenüberliegenden Seite liegt uns der Erfurter Norden zu Füßen, ringsum die Ortschaften Kühnhausen, Tiefthal, Elxleben und Witterda. Dieser Weitblick ist bemerkenswert und, wenn man so will, die Belohnung für den (nicht beschwerlichen) Aufstieg. Die Schwellenburg ist in jedem Falle einen Ausflug wert.

Autor: B. Köhler   Fotos: S. Forberg

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