Beachtenswerte Orgel, opulent gestalteter Altar und eine Turmbesteigung

Der Geraradwanderweg ist insgesamt 75 Kilometer lang. In fünf Etappen eingeteilt, führt er vom Kamm des Thüringer Waldes bis zur Mündung der Gera in die Unstrut bei Gebesee. Er gehört zu den wichtigsten touristischen Besonderheiten unserer Region. Er führt entlang der Geraaue im Erfurter Norden und biegt in Elxleben ab und geht weiter durch den Ort. Hier gibt es eine sehenswerte Kirche.

Sie war eine der ersten evangelischen Kirchen im Umland von Erfurt. Ihr Turm reckt sich 46 Meter in die Höhe. Die auf der Turmspitze sitzende Wetterfahne und der Turmknopf – jene Kugel, in der Zeitdokumente für die Nachwelt aufbewahrt werden – glänzen golden in der Herbstsonne. Wir sind mit Pfarrer Olaf Meyer an der Elxlebener Kirche St. Michaelis verabredet und betrachten sie zunächst von außen.

Der Turm steht schief. Nicht so schief wie der im italienischen Pisa, aber erkennbar steht er nicht senkrecht, sagt Pfarrer Meyer. Wir betreten die Kirche, die um 1576 entstand und 1864 letztmalig umgebaut wurde. Der Turm wurde 1587 errichtet. Der Hochaltar ist für eine Dorfkirche ausgesprochen opulent, komplett aus Holz und er zeigt das Abendmahl. Die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes finden sich zu beiden Seiten der Abendmahl-Szene. Die Skulpturen und Reliefs sind vom Bildhauer Hans Friedemann d. J. 1629 erschaffen worden. Der Altar ist über die Jahrhunderte weg unverändert geblieben. Das ebenfalls hölzerne Taufbecken stammt aus dem 19. Jahrhundert. Über dem Chorgestühl hängen Gemälde von Melanchthon und Luther.

Der opulente Kronleuchter aus Messing, dessen 18 Kerzen zu besonderen Anlässen, z.B. an Heiligabend angezündet werden, trägt die Inschrift ‚Am 1. Mai 1856 zur Ehre Gottes von den Gemeinde(mit)gliedern zu Elxleben. Entworfen und ausgeführt von Christian Büchner in Erfurt.‘

Im Sommer 2016 wurde die 1916 von der Firma Eifert aus Stadtilm gebaute Orgel grundhaft saniert. Zuvor konnte sie mehr als zehn Jahre nicht gespielt werden. Als sie 1916 während des Ersten Weltkrieges gebaut wurde, wurde trotz Materialknappheit hochwertiges Zinn für die Pfeifen verwendet. Der Orgelprospekt ist noch wesentlich älter. Er stammt von einer Volcklandorgel aus dem Jahr 1750. Orgelklängen können wir bei unserem Besuch nicht lauschen, aber einen Blick in ihr Inneres werfen.

Wir nutzen die Chance zu einer Turmbesteigung. Das geht nicht wirklich komfortabel, zu unterschiedlich sind die Trittstufen in ihren Höhen und wir sehen tapfer über die Spinnweben hinweg. Belohnt werden wir mit einem Blick auf das mechanische Werk der Turmuhr. Der Stundenschlag aber wird inzwischen digital gesteuert.
Und dann stehen wir unter den vier Glocken. Die 150 kg schwere Glocke ist von 1908, die Glocke von 1675 und wiegt 400 kg, während die Glocke mit 1250 kg von 1561 stammt. Seit September 2011 verfügt die Kirche über eine vierte, 215 kg schwere Glocke, die dem langjährigen Pfarrer Herbert Voß gewidmet ist. Wir steigen wieder hinab. In die Außenwand neben dem Kirchenportal ist das Erfurter Rad eingelassen. Es kündet ebenso vom Dank an die Stadtväter Erfurts wie die Tafel auf der anderen Seite des Einganges. Denn die Zustimmung Erfurts war für den Bau der Elxlebener Kirche unabdingbar.

Dass der Kirchgarten früher ein Friedhof war – davon künden noch einige Grabsteine, die innen an der Friedhofsmauer befestigt sind. Rechts und links der schweren, eisernen Pforte künden Tafeln von den Gefallenen beider Weltkriege aus dem Ort.

Autor: B. Köhler    Fotos: S. Forberg

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