Die Lutherkirche punktet mit puristischer Ästhetik, einem großen Geläut und einer besonderen Akustik

Sie ist ein ganz besonderes Gotteshaus – die Lutherkirche in der Magdeburger Allee. Betritt man sie, fühlt man sich mehr an einen Konzertsaal erinnert denn an eine Kirche. Im Stile des Art déco vor nunmehr 90 Jahren erbaut, hat sie eine Ästhetik, die sich immer mehr erschließt, je länger man sich in ihr aufhält.

Wir sind verabredet mit Pfarrer Bernhard Zeller und bekommen eine individuelle Führung. Das Gebäude wirkt modern – ist es auch, denn 90 Jahre sind praktisch kein Alter für eine Kirche. Der Raum ein großzügiges Oval, die Empore in einem davon abweichenden Radius harmonisch geschwungen, der Altarraum offen und einladend.

„Unser Anliegen ist es, die Lutherkirche wieder zu einem Mittelpunkt für die Menschen hier zu machen.“, sagt Pfarrer Bernhard Zeller. Nicht nur schöne Gottesdienste, auch Konzerte, Ausstellungen, Musik, Theater, Tanz, Lesungen und Diskussionsabende sind angedacht. Erstmalig in diesem Jahr gab es eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Leuchtturm Lutherkirche“, bei der ganz unterschiedliche Konzerte Aufführung fanden.

Beeindruckt zeigt sich Pfarrer Bernhard Zeller vom Mut der Erbauer der Lutherkirche. Ende des 19. Jahrhunderts – so führt er aus – hatte die Kirchengemeinde viele Mitglieder, aber keine Kirche. So wurde Geld gesammelt. Das allerdings fiel zum größten Teil der Inflation Ende der 1920er Jahre zum Opfer. Lediglich die Bänke konnten noch gekauft werden von einer Garnisonskirche in Halle. Dann wurde die Kirche schließlich auf Kredit gebaut. Das Grundstück stellte die Stadt zur Verfügung. Das diente zuvor in Teilen als Schuttabladeplatz. Der Baugrund ist wohl damals nicht ausreichend verdichtet worden und so zeigten sich bald Risse im Bauwerk, die auch heute noch zu sehen sind und der Sanierung bedürfen. Die soll zeitnah in Angriff genommen werden, Anfang des Jahres erwartet Pfarrer Bernhard Zeller die Kostenschätzung.

Gespart haben die Erbauer – weil sie es mussten – an so manchem Detail. Für die Glocken aber gab man vergleichsweise viel Geld aus. Die Lutherkirche verfügt über ein großes Geläut. Die größte der sechs Glocken misst nur unerheblich weniger als die Gloriosa des Doms. Allerdings ist sie und alle weiteren aus Eisenhartguss gegossen, nicht aus Bronze.

Die Rühlmann-Orgel – 1928 erbaut – ist inzwischen eine echte Rarität, die einzig verbliebene Rühlmann-Orgel Erfurts. Noch heute ist sie in gutem Zusatnd und die Organisten wissen zu schätzen, wie gut sie sich spielen lässt.

Die Bleiverglasungen sind auf der einen Seite dem Krieg zum Opfer gefallen und durch eher schlichte bunte Verglasungen ersetzt worden. Auf der gegenüberliegenden Seite sind noch die Originalfenster zu betrachten. „Dein Tun ist lauter Segen.“ – findet sich hier eine Botschaft.

Autor: B. Köhler    Fotos: S. Forberg

Die ersetzte Bleiverglasung

Die Originalfenster

Die Rühlmann-Orgel ist inzwischen eine echte Rarität.

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