Ganz schön langlebig

Der Erfurter Norden lässt sich unter architektonischen Gesichtspunkten in verschiedene Bereiche gliedern. Am auffälligsten sind wohl alle Plattenbaugebiete, die mit der Größe und Höhe vieler ihrer Gebäude weiten Bereichen ihren Charakter verleihen. Zum anderen gibt es die Gründerzeitarchitektur im Bereich der Magdeburger Allee. Ein weiterer architektonischer Aspekt sind ehemals dörfliche Strukturen wie in Ilversgehofen, dem ersten Ort, der von Erfurt eingemeindet wurde. Gleiches gilt für Gispersleben, Kühnhausen und Tiefthal. Neu hinzu kommen kürzlich entstandene bzw. noch entstehende Bauten wie z.B. an der Nordhäuser Straße.

Aber zurück zu den Plattenbauten. Noch heute, fünf Jahrzehnte, nachdem die ersten am Johannesplatz entstanden, sprechen wir von Neubaugebieten. Einst war ihre Lebensdauer gar nicht so hoch angesetzt worden, doch sie bieten einen ganze Reihe Vorzüge, die die Bewohner offenbar zu schätzen wissen.

So wird zum Beispiel das Gebäude Budapester Straße 39 in diesem Jahr 40 Jahre alt. Es ist ein Punkthochhaus mit 16 Etagen nahe der Nordhäuser Straße. Der Ausblick aus den oberen Stockwerken ist atemberaubend. Er erstreckt sich bis weit über die Fahnerschen Höhen. In kurzer Distanz sieht man unter sich den Thüringen-Park, dahinter Felder und Wiesen, Tiefthal und Gispersleben – je nachdem wohin man sich wendet.

Die Wohnungen der Plattenbauten im Allgemeinen sind in ihren Grundrissen optimiert, jeder Quadratmeter gut nutzbar. Allerdings sind die Wohnungszuschnitte auch typisiert und so vermisst man den Abwechslungsreichtum neuerer Bauten. Was allen sog. Neubaugebieten in unserem Stadtteil eigen ist, ist eine sehr gute Infrastruktur. Mit Kitas, Schulen, Ärztehäusern, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten, Straßenbahn und Bus, schnelle Zufahrt zur A 71 über die Hannoversche Straße B4. Sport- und Freizeitmöglichkeiten gibts en masse in der neu gestalteten Geraaue.

Wem das alles zu schön und idealistisch-verklärt vorkommt, hat natürlich auch recht. Es gibt jede Menge Dinge, die verbesserungswürdig sind und täglich neue Herausforderungen. Aber: Wir lieben unseren Erfurter Norden. Also seht uns unsere etwas einseitig geschilderte Begeisterung nach ;-).

Autor: B. Köhler. Fotos: S. Forberg