Längst nicht optimal, dennoch besser als zuvor

Für den Verkehrsversuch in der Talstraße, bei dem es darum ging, eine Neuaufteilung des Straßenraumes zu Gunsten des Rad- und Fußverkehrs und damit zu Lasten des Kfz-Verkehrs auf einem überbreiten Fahrstreifen statt zweispurig zu führen, liegen nun die gutachterlichen Ergebnisse vor. 

Untersucht wurden Fragen zur Verkehrssicherheit, zum Verkehrsablauf und zur Akzeptanz dieser Lösung. Dazu sind Verkehrserhebungen und Verkehrsbeobachtungen an verschiedenen Wochentagen und zu verschiedenen Tageszeiten – insbesondere in den Spitzenstunden am Morgen und am Nachmittag – durchgeführt worden, die den fließenden Kfz- und Radverkehr sowie den Fußverkehr und die möglichen Konflikte berücksichtigen. 

Vor allem verkehrssicherheitsrelevante Situationen im Kurvenbereich, im Übergang von und zur überbreiten Spur bzw. an Beginn und Ende des Schutzstreifens und im Zusammenhang mit dem Ein- und Ausparken wurden beobachtet und bewertet. Auch die Möglichkeit von Rückstaus im Kfz-Verkehr wurde geprüft und daraus resultierende Behinderungen des Straßenbahnverkehrs.

Zusammenfassend lassen sich folgende Erkenntnisse aus dem Verkehrsversuch und den durchgeführten Untersuchungen ableiten:

Deutliche Defizite gab es für den Rad- und Fußgängerverkehr. Neben Sicherheitsmängeln war die mangelnd Attraktivität spürbar. Unfallzahlen, die Anzahl der beobachteten kritischen Situationen und mangelnde Attraktivität für den nicht-motorisierten Verkehr begründen einen deutlichen Handlungsbedarf zur Änderung der bisherigen Verkehrsführung.

Die Änderung von zwei Fahrstreifen auf einen überbreiten Fahrstreifen für den KfZ-Verkehr hingegen führten nicht zu einer Verschlechterung der Verkehrsqualität oder zu Verlagerungen in das benachbarte Straßennetz.

Der ursprünglich erwartete optimierte Verkehrsablauf mit nebeneinander fahrenden Pkw stellt sich nicht ein. Es tritt vielmehr ein versetztes Fahren auf, die vorhandene Fahrbahnbreite führt bei höherem Verkehrsaufkommen zu einem häufigeren Überfahren des Schutzstreifens. Die Geschwindigkeiten bleiben auf einem niedrigen, verträglichen Niveau.

Für den Radverkehr treten insgesamt betrachtet jedoch deutliche Verbesserungen auf. Die Gefahr durch Stürze, die durch das Öffnen von Autotüren verursacht werden, sank merklich und bei geringen und mittleren Verkehrsstärken traten weniger Störungen und Behinderungen auf. Problematisch bleibt der Verkehrsablauf bei hohen Verkehrsstärken, dabei wird die Schutzstreifenmarkierung häufig überfahren.

Die verfügbaren Breiten für den Fußgängerverkehr sind größer geworden, auch wenn die laut Regelwerk empfohlenen Maße nicht umgesetzt werden können. Das Gutachten empfiehlt trotz der genannten Schwächen und Defizite die Beibehaltung der Lösung, denn sie ist deutlich besser als die alte Verkehrsführung. 

In der Woche vom 11. bis zum 15. Oktober wird die bisherige versuchsweise Führung zur Dauerlösung mit geringfügigen Anpassungen vorgenommen, um insbesondere den Beginn und das Ende des Bereichs noch zu optimieren.

Autor: B. Köhler.  Foto: Stadtverwaltung Erfurt