Ökostrom, produziert im Erfurter Norden

Der Erfurter Norden bekommt jetzt ein Wasserkraftwerk. Im Bereich der Fußgängerbrücke über die Straße der Nationen fand am Freitag eine symbolische Grundsteinlegung statt. Das Wasser aus den Talsperren Schmalwasser und Tambach-Dietharz wird, weil der Bedarf an Trinkwasser sich seit 1990 nahezu halbiert hat, nicht mehr für die Trinkwasserversorgung benötigt. Die Kapazität von 21 Millionen Kubikmeter Wasser soll jedoch nicht ungenutzt bleiben. Über ein bestehendes Leistungssystem wird künftig das Wasser nach Erfurt geleitet und im künftigen Kraftwerk in Ökostrom verwandelt. Zusammen mit einer in Gotha entstehenden Wasserkraftanlage werden rund acht Millionen Kilowattstunden erzeugt. Das entspricht in etwa dem Jahresbedarf von 4.000 Haushalten. Mehr als 5.000 Tonnen CO2 pro Jahr werden so vermieden.

Aber nicht nur zur Stromerzeugung soll das Wasser aus dem Thüringer Wald künftig genutzt werden. Auch der unmittelbar daneben entstehende große Teich, der die Parklandschaft entlang der Gera bereichern wird, wird mit dem Wasser versorgt. Nur rund acht Grad wird das Wasser haben – zum Baden wohl zu kalt. Die Landwirtschaft kann mit dem Wald-Wasser ihre Flächen bewässern. Das sog. Brauchwasser zeichnet sich durch einen sehr geringen Salzgehalt aus, ist mit Regenwasser vergleichbar und für die Bewässerung sehr gut geeignet.

‚Westringkaskade‘ nennen die Verantwortlichen das Projekt (Details s.u.), denn das Talsperrenwasser fließt in zwei Höhenstufen (Kaskaden) bis nach Erfurt. Rund 290 Höhenmeter überwindet es auf seinem 45 Kilometer langen Weg bis in unsere Stadt. Im Zuge der Umgestaltung des Bettes des Marbachs, der über weite Teile verrohrt war, werden eben diese Röhren genutzt, um eine neue Brauchwasserleitung zu einzuziehen. Das neu zu errichtende Wasserkraftwerk wird große Fenster haben, durch die man die technischen Anlagen beobachten kann.

Hintergrund:
Das Verbundwasserversorgungssystem Mittel- und Nordthüringen versorgt seit 1967 weite Teile des Thüringer Beckens anteilig mit Fernwasser. Das Fernwassersystem wird heute aus der Trinkwassertalsperre Ohra und bis 2005 auch aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser gespeist. Über den sogenannten Westring werden Gotha, Erfurt und Teile des Landkreises Sömmerda versorgt. Der Westring besteht in nahezu allen Teilabschnitten als Doppelleitungssystem. Von dem Doppelleitungssystem ist aufgrund der nach 1990 stark reduzierten Fernwasserabsatzmengen und der prognostizierten Fernwasserbedarfsmengen zukünftig nur eine der beiden Rohrleitungen für die Versorgung erforderlich.

Autor: B. Köhler  Fotos: B. Köhler

Oberbürgermeister Andreas Bausewein, Umweltstaatssekretär Olaf Möller, Vorsitzender des Verwaltungsrates der TFW, Thomas Stepputat, Geschäftsführer der TFW und Alexander Hilge, Beigeordneter der Stadt, legten eine Zeitrolle in den Baugrund. Ihr Inhalt: Die aktuelle Ausgabe der Tageszeitung, die Projektunterlagen, ein gläserner Wassertropfen und eine Münze.