Nicht gefolgt und richtig entschieden

Die Wohnungsbaugenossenschaft Zukunft hat im Sommer dieses Jahres ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert. Das bot auch Gelegenheit für einen Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte, in denen die Erfurter Genossenschaften und das städtische Wohnungsbauunternehmen Höhen und Tiefen in Bezug auf ihre Plattenbauten durchmachten.

Die demographischen Prognosen für Erfurt sahen stetig sinkende Einwohnerzahlen. In den 1990er Jahren zogen viele Menschen weg aus der Stadt, oftmals in den Speckgürtel Erfurts. Dort fehlte ihnen selten eine gute Infrastruktur mit Kita-Plätzen, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Ärztehäusern und Verkehrsanbindungen. Also waren Stadt und Genossenschaften gefordert, dem damals hohen Wohnungsleerstand Rechnung zu tragen und Wohnungen abzureißen, zusammengefasst zunächst in einem entsprechenden Konzept. Das war allerdings nicht bindend und die WBG Zukunft entschied, diesem Konzept nicht in allen Punkten zu folgen. Ein Ergebnis des ‚Nichtfolgens‘ ist, dass das große Gebäude Rigaer Straße 7 – 9 noch heute steht. 

„Nicht abzureißen war mit Risiken behaftet. So hatte unsere Genossenschaft nicht die finanziellen Mittel, alle Gebäude sofort zu sanieren. Es gab keinerlei garantierte, fundierte Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. Dennoch waren wir überzeugt, dass die Bausubstanz gut genug ist, um das Gebäude nachhaltig zu entwickeln. Wir konnten wegen der schrittweisen Sanierung die Mieten staffeln: Das Wohnen im unsanierten Gebäuden war billiger als in sanierten. So konnten wir auch all jenen ein Zuhause bieten, die weniger Geld zur Verfügung hatten. Auch mussten wir die rund 30 bis 40 Prozent der im Haus verbliebenen Bewohner nicht ausziehen lassen. Ein weitere Aspekt kam hinzu. Bereits in den 1990er Jahren waren Gebäude teilsaniert worden. Wir haben vermieden, solche Häuser abzureißen. Der Druck war durchaus groß von Seiten der Politik, der Banken, auch der Mitglieder. Doch Aufsichtsrat und Vorstand waren sich einig: Das ist der richtige Weg.“, erinnert sich der ehemalige langjährige Aufsichtsratsvorsitzende der Wohnungsbaugenossenschaft Zukunft, Dr. Werner Stöckigt, im Interview.

Das Ergebnis zeigen unsere beiden Voher-Nachher-Bilder. Wie wichtig es war, das große Gebäude zu erhalten, spiegelt die heutige Lage am Wohnungsmarkt wieder.

Autor: B. Köhler, Fotos: WBG Zukunft, S. Forberg

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