Das Besondere Zuhause  – ‚Reineckes Hof‘

Wir verlassen die Nordhäuser Straße mit ihrem überbordenden Verkehr und biegen in den Grenzweg ein. Hinter dem Tor des Hauses, dessen Geschichte uns interessiert, empfängt uns eine üppige Kastanienallee – jetzt, im Mai, in voller Blüte und mit sattgrünem Blattwerk. Wir sind in der ehemaligen Gaststätte ‚Reineckes Hof‘ verabredet mit der heutigen Besitzerin Uta Schumann.

Wir sind neugierig, die Erinnerungen an das Innere dieses repräsentablen Gebäudes im Laufe der Jahrzehnte verblasst. Eine alte Postkarte, die uns ein Leser überließ und die wir hier im Blog veröffentlichten, half dem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge und brachte uns den Kontakt zu Uta Schumann. 

Sie empfängt uns mit freundlich-herzlicher Offenheit und wir betreten ihr Zuhause. Das teilt sich die ‚Fast-Rentnerin‘ mit vier Studenten. Auf üppigen 360 Quadratmetern Wohnfläche und rund 2000 Quadratmetern Grundstück lebt diese Wohngemeinschaft in einem Refugium – individuell und unverwechselbar.

Das Wohnzimmer mit integrierter Küche war einst der Saal von Reineckes Hof. Er war in Ständerbauweise an das zuerst errichtete Gebäude, das auch den Gastraum beherbergte, 1927 angebaut worden. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer, Uta Schumann außerdem noch ein Büro.

Die raumhohen Rundbogen-Fenster machen ein ganz besonderes Flair – raumhoch bedeutet hier fast fünf Meter. Die Fenster sind jetzt wieder in der ursprünglichen Form eingebaut, zwischenzeitlich hatte man auf die Rundbögen und die Untergliederung verzichtet. Der Blick nach draußen fällt auf üppiges Grün. Vom Verkehr auf der direkt vor dem Grundstück verlaufenden Nordhäuser Straße ist nichts zu hören.

Eine nachträglich eingebaute Empore und die Untergliederung eines Teilbereiches des ehemaligen Saales in jeweils separat zugängliche Zimmer, prägen den Raum ebenso. Ein jetzt freigelegtes Wandstück zeigt das Fachwerk, vordem war die Decke abgehängt und verdeckte die Konstruktion. Ein eiserner Bullerjan-Ofen sorgt in der kalten Jahreszeit in Kombination mit einer modernen Heizung für wohlige Temperaturen, jetzt sieht er einfach nur gut aus.

Das Parkett ist original. „Jeden Parkettstab habe ich einzeln in den Händen gehalten während der Restaurierung.“, erzählt uns Uta Schumann. Auf dem Parkett war ein Filzbelag aufgebracht worden, den es zu entfernen galt. Marode Balken mussten ersetzt werden, die Decken gedämmt. 

Die Designerin hat mit viel Geschick und hohem Arbeitseinsatz aus dem einstigen Saal ein echtes Zuhause geschaffen: „Alles, was ich in meinem Leben erarbeitet habe, steckt hier drin.“ Uta Schumann hat gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Bruder das Objekt 2000 gekauft. Ein Jahr später zogen die beiden Familien ein und richteten auch ihre Büros ein. Dennoch wurden die Bauarbeiten ein weiteres Jahr fortgesetzt. Dann wurden die Außenanlagen in Angriff genommen – Stück für Stück. Ein schöner Garten mit Grillplatz ist entstanden, ebenso eine Terrasse. 

Dass sich jetzt hier einen Wohngemeinschaft gebildet hat, habe sich so ergeben. Zunächst war es ein Mitbewohner. Späterhin leben immer vier Studenten oder Doktoranden in einem gut regulierten und dennoch freien Miteinander. Die Wohngemeinschaft entscheidet immer gemeinsam, wer als neuer Bewohner kommen darf. Wenn auch nur einer Bedenken hat, wird der Bewerber nicht aufgenommen. Im Schnitt bleiben die Studenten dreieinhalb Jahre oder auch mehr, je nach Verlauf des Studiums.

Design, Kunst und Literatur sind hier zu Hause. Uta Schumann entwirft Mode, ist Miteigentümerin des Geschäftes Terré in der Kettenstraße. Nach ihrem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee hat sie in Mühlhausen und Plauen gearbeitet, in den 1990er Jahren als Dozentin an der Textil-Ingenieurschule Reichenbach Studenten unterrichtet.

 

Und sie schreibt. Literarische Abende finden hier statt. Zuhause ist in ‚Reineckes Hof’ vor allem eines – eine entspannte, freundliche Atmosphäre. „Wir sind offen.“, bringt es Uta Schumann auf den Punkt.

Autor: B. Köhler.  Fotos: S. Forberg, U. Schumann (Katze)

Der opulente Küchentresen ist von Uta Schumanns Tochter mit Freunden kreiert und gebaut worden während sie beruflich in Indien weilte.

‚Die Arche Noah‘ – das Gemälde wurde von einem tschechischen Künstler geschaffen, dem Mann einer Kommilitonin. Es liegt Uta Schumann besonders am Herzen.

Bulliger Eisenofen – sorgt im Winter für Wohlfühltemperaturen.

Die Original-Tür zum zwischen ehemaliger Gaststube und Saal führt jetzt ins Büro.

Die Katze Lotta ist vor Jahren zugelaufen und ist hier die wahre Hausherrin.

Indianischer Steinkreis

Uhu, Nachtigall, Blaumeise, Rotkehlchen und viele Insekten genießen die Naturoase mitten im städtischen Trubel.