Die Tiergartensiedlung – Idylle an Fluss und Park

Eines der ältesten Wohngebiete im Erfurter Norden – die Tiergartensiedlung – ist geprägt von Reihen- und Einfamilienhäusern neben Gebäuden für mehrere Familien in überschaubarer Größe. Pittoreske Vorgärten, die Nähe zur Gera und die fußläufige Erreichbarkeit des Nordparks machen die Tiergartensiedlung zu einer der beliebtesten Wohnlagen Erfurts.

Sie ist ein Stück Architekturgeschichte Erfurts. Ob Fasanenweg oder Hasenwende, Fuchsgrund oder Hühnerbalz – die Straßennamen in der Tiergartensiedlung sind einmalig in Erfurt und durchaus unterhaltsam. Sie geben der Fantasie Spielraum, was wohl früher hier war. Die Antwort liegt nahe: ein Dorf: Ilversgehofen.
Zu diesem Stadtteil gehört die Tiergartensiedlung. Sie liegt westlich des alten Dorfkerns in der Geraaue. Geprägt ist sie zum einen durch kleine Reihenhäuser, die während der Wirtschaftskrise zwischen den Weltkriegen entstanden und mit ihren Gärten der Selbstversorgung ihrer Bewohner dienten. Später entstanden die sogenannten Altneubauten.

Wissenswert:
Am 14. Januar 1918 wurde die Tiergarten-Siedlungsgenossenschaft m.b.H. Erfurt gegründet. Im Februar 1917 bereits entwickelte Polizei-Bauinspektor Boegl das Projekt einer gemeinnützigen Siedlung im Erfurter Tiergartengelände. Der Ausgangspunkt war der Mangel an Wohnungen für die Arbeiter, die in den Industriebetrieben im Norden der Stadt tätig waren. Für sie sollten „gesunde und zweckmäßige” Wohnungen mit Gartenanteil errichtet werden. Boegl gewann für seine Ideen die Unterstützung einiger Unternehmer und schlug vor, im Tiergartengelände eine größere Anzahl von Reihenhäusern zu bauen. 1919 begann die Errichtung der ersten Häuser. Bauherr war die Kleinwohnungsbaugesellschaft m.b.H. Erfurt, an der neben der Tiergarten-Siedlungsgenossenschaft auch Erfurter Unternehmer beteiligt waren. 1927 wurden weitere 24 Wohnungen fertiggestellt, in den Jahren 1928 bis 1930 nochmals 57. Nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte übernahm die Genossenschaft jeweils die Häuser, sicherte deren gemeinnützige Verwertung und verhinderte so Grundstücksspekulationen.

Auch in der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Tiergartenviertel Häuser errichtet. Mit dem Fortschreiten des Krieges gestaltete sich die Versorgung mit Baumaterial jedoch immer schwieriger. Die Baugenossenschaft Gartenstadt und die Tiergarten-Siedlungsgenossenschaft fusionierten am 18. Juni 1958 zur GWG Tiergarten-Gartenstadt. Heute gehören viele der Häuser zur Wohnungsbaugenossenschaft Zukunft, die ihren Firmensitz ebenfalls im Erfurter Norden hat.

Autor: B. Köhler. Fotos: S. Forberg, WBG Zukunft

 

Häuser der Tiergartensiedlung um 1937