Ökostrom für 4.000 Haushalte

Ein 470 Meter langes Teilstück der Rohrleitung des Marbaches erhielt eine neue Funktion – es speist jetzt das Wasserkraftwerk, das neben der Straße der Nationen gebaut wurde und sich derzeit im Testlauf befindet. Rund 500 Liter pro Sekunde werden im Vollbetrieb durch das Rohr fließen. Um dem hohen Wasserdruck standhalten zu können, wurde in das Betonrohr eine geschlossene Stahlleitung eingezogen.

Hindurch fließt Wasser aus den Talsperren Schmalwasser und Tambach-Dietharz. Weil sich der Bedarf an Trinkwasser seit 1990 nahezu halbiert hat, wurde es nicht mehr für die Trinkwasserversorgung benötigt. Die Kapazität von 21 Millionen Kubikmeter Wasser sollte jedoch nicht ungenutzt bleiben. Über ein bestehendes Leitungssystem wird also das Wasser nach Erfurt geleitet und im künftigen Kraftwerk in Ökostrom verwandelt. Zusammen mit einer in Gotha entstehenden Wasserkraftanlage werden rund acht Millionen Kilowattstunden erzeugt. Das entspricht in etwa dem Jahresbedarf von 4.000 Haushalten. Mehr als 5.000 Tonnen CO2 pro Jahr werden so vermieden. Aber nicht nur zur Stromerzeugung soll das Wasser aus dem Thüringer Wald künftig genutzt werden. Auch der unmittelbar daneben entstehende große Teich am Jugendhaus „Renne“ wird mit dem Wasser versorgt.

„Westringkaskade“ nennen die Verantwortlichen das Projekt, denn das Talsperrenwasser fließt in zwei Höhenstufen (Kaskaden) bis nach Erfurt. Rund 290 Höhenmeter überwindet es auf seinem 45 Kilometer langen Weg bis in unsere Stadt. Der Testlauf nimmt noch mehrere Wochen in Anspruch, viele Details sind zu prüfen und mit der Anlage in Gotha abzugleichen. Unmittelbar im Anschluss daran wird der reguläre Betrieb aufgenommen und Ökostrom erzeugt.

Autor: B. Köhler  Fotos: B. Köhler