Neu am Turm: Das Verbindende 

Rieth. Am 11. Juni war der Start für ein Kunstprojekt am Glockenturm des Vilnius. Das baufällige Objekt wurde von Studenten, Schul- und Kita-Kindern zur Ausstellungsfläche umfunktioniert. Am Bauzaun finden sich Zeichnungen der Kinder, die sie während des Lockdowns angefertigt hatten. Am Glockenturm und dem dazugehörigen Übergang waren und sind Bilder der Studierenden der Fachhochschule zu sehen. Mit drei gelungenen Projekten wetteiferten die angehenden Architekten darum, ihre Bilder ausstellen zu dürfen. Die Eigentümer, Familie Kemmerich, wollen alle Arbeiten sichtbar werden lassen und so wurde am vergangenen Freitag das zweite Projekt installiert. 

Es nimmt direkten Bezug auf das sechs Meter hohe und 102 Meter lange Wandbild Erich Enges – das 1976 fertiggestellte Gemälde „Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift“, das sich am benachbarten Gebäude befindet. Betrachtet man das unter Denkmalschutz stehende markante Bild, fällt auf, dass eine Verbindung zwischen den dargestellten Figuren zum einen über die Köpfe und zum anderen über die Hände entsteht. Alles scheint in Bewegung mit fließenden Übergängen. Dieses zentrale Thema des Weiterreichens und des Verbindens hat die rund 15-köpfige Projektgruppe Studierender des zweiten Semesters aufgegriffen. Menschen aus der unmittelbaren Umgebung wurden angesprochen, fotografiert und ihre Fotos in Lebensgröße auf das Mauerwerk appliziert. Sie alle geben etwas Imaginäres weiter, es verbindet sie etwas – Menschen verschiedener Altersgruppen, Gemeinschaften und Kulturen. 

Autor und Fotos: B. Köhler