Ambitioniertes Großprojekt startet heute

Heute beginnen die Baumfällarbeiten am Ufer der Gera in Gispersleben. Fast 300 Bäume und rund 30.000 Quadratmeter Gesträuch sollen Platz machen für 500 neue Bäume und eine auentypische Vegetation, die mehr als 2.000 neu anzupflanzende Sträucher umfassen wird.

Es ist eine der größten Maßnahmen zur Renaturierung der Gera und zur Schaffung einer abwechslungsreichen – für Mensch und Tier gleichermaßen attraktiven Uferlandschaft, geplant von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG).


Das Wehr in Gispersleben und später auch das Wehr Teichmannshof werden durch so genannte Sohlgleiten ersetzt. Der Kilianipark wird erweitert, und der Flussverlauf über das Gelände des ehemaligen Heizkraftwerkes geführt. Rund dreieinhalb Millionen Euro werden investiert.

Der Reihe nach: Um einen soliden Hochwasserschutz an der Gera zu erreichen, ist dem seit den 1950er Jahren stark begradigte und eingedeichte Fluss künftig wieder mehr Raum zu geben und die starren, geraden Linien sind aufzubrechen. Das Heizkraftwerk – jetzt im Hochwasserschutzgebiet gelegen – durfte deshalb nicht umgenutzt werden und so gibt es die einmalige Möglichkeit, hier eine Flussschleife, ein Mäander anzulegen. Zudem soll ein Festplatz für die Gisperslebener und ihre Gäste auf dem Areal entstehen.

Ebenfalls unerlässlich für den Schutz gegen Hochwasser ist eine die Ufer stützende, typische Vegetation. Die in der Vergangenheit verstärkt an den Geraufern gesetzten Robinien sind nicht typisch und vor allem destabilisieren sie die Ufer, da ihre Wurzeln unterspült werden.

Viele einheimische Fischarten wandern, um geeignet Laichplätze zu finden und so ihre Art zu erhalten. An der Gera treffen sie auf einige unüberwindliche Hindernisse. Das Wehr in Gispersleben gehört dazu. Eine zu große – wie es in der Fachsprache heißt – Fallhöhe unterbricht die Fischwanderung oder beendet sie schlimmstenfalls. Eine so genannte Sohlgleite lässt die Fische die Höhenunterschiede sanft überwinden.

Der gerade und eingedeichte Flussverlauf lässt das Wasser für die Fische viel zu schnell fließen – die Flusschleife und die Verbreiterung der Flusslandschaft werden die Fließgeschwindigkeit signifikant senken. So finden die Tiere leichter Laichplätze am Ufer.

Die Uferlinie wird flacher gestaltet, Kiesbänke und Inseln lockern die Bereiche auf und machen sie für Mensch und Tier attraktiv.

Nun also beginnen die vorbereitenden Maßnahmen für dieses große und umfassende Vorhaben, das Naturschutz, Schutz der Ortslagen vor Hochwasser und die Schaffung einer abwechslungsreichen Naherholungslandschaft impliziert.

Das hat seinen Preis, denn zunächst für rund zwei Wochen bis zum Abschluss der Baumfällungen und dann nach kurzer Pause für rund ein weiteres Jahr bleibt die Verbindung zwischen Kilianipark und Rieth gekappt – für Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und alle in den Geraauen Erholung suchenden.

Bis die neue Brücke rund 200 Meter flussaufwärts errichtet ist und die Gera wieder überquert werden kann, ist dieser Weg versperrt. Über die Verkehrsplanung (siehe Karte) wurde auch Ortsteilbürgermeisterin Anita Pietsch erst kurzfristig am Freitag informiert.

Autor: B. Köhler Fotos: B. Köhler, TLUG

Karte: TLUG

Karte: TLUG

Grafik: TLUG

Grafik: TLUG

Große Fallhöhe am Wehr – für dien meisten Fischarten unüberwindlich

 

Reiher vor unterspülten Uferbereichen

 

Absperrungen im Kilianipark, am Geraradwanderweg

 

Viele der zu fällenden Bäume haben ihre besten Tage bereits hinter sich.