Der Innenraum mit doppelter Empore.

    Die Viti-Kirche in drei Jahrhunderten 

    Bereits im Mittelalter stand eine Kirche in Gispersleben-Viti. Ein achteckiger Taufstein von 1611 und eine spätgotische Pforte als Eingang zum Turmzimmer belegen das.

    1726 wurde die heutige Kirche erbaut, der Turm jedoch stammt noch vom Vorgängerbau. Die Kirche ist ein sog. einfacher Saalbau mit polygonalem Ostabschluss. Reste der mittelalterlichen Bausubstanz sind noch in den Außenwänden und am Turm, der ursprünglich ein Satteldach hatte, erhalten.1853 wurde das Ziegeldach an der Turmspitze entfernt und die barocke Kuppelform mit Doppellaterne ausgebildet und mit Schiefer gedeckt.

    Den Innenraum dominiert eine doppelte Empore. Die Gestaltung des Altars weist eine Besonderheit auf: In ihm ist die Kanzel gleich mit integriert. Altar, resp. Kanzel wurden aus Lindenholz gefertigt. Rechts und links vom Altar dringt das Tageslicht durch hohe, bunte, bleiverglaste Fenster – 1914 eingebaut und 1994 restauriert. 

    1744 erhält der Innenraum der Kirche Deckengemälde, während die Wände weiß bleiben, Verzierungen des Altars erhalten eine Vergoldung. Die ursprünglichen Deckengemälde wurden bereits 1831 weiß übermalt. 1964 werden die Gemälde erneuert bis sie schließlich ganz verschwinden. Heute zeigen sich Decke und Wände in hellem Weiß. 

    Ein Kronleuchter mit floralen Elementen wird 1899 der Kirche gespendet, heute wird er elektrisch betrieben. Bereits 1904 wird erstmalig eine Elektroinstallation vorgenommen. Um 1920 wird auch ein elektrischer Glockenantrieb installiert. Die drei Bronzeglocken des ursprünglichen Geläuts wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen – wie vielerorts. Seit 1958 rufen Glocken aus Stahlguss zum Gottesdienst. 

    Die Turmuhr von 1889 ist zwar noch erhalten, in ihrer Funktion aber wurde sie 1997 durch eine funkgesteuerte Uhr ersetzt. Die dazugehörigen zwei kleineren Bronzeglocken läuten zu jeder Viertel- und vollen Stunde. (Die kleinere der beiden Glocke schlägt zur viertel Stunde 1mal, zur halben Stunde 2mal, zur dreiviertel Stunde 3mal uns zur vollen Stunde 4mal. Die Größere schlägt die Stundenzahl.)

    Ein zentrales Element der Viti-Kirche ist die Orgel, 1790 erbaut von Orgelmeister Johann Georg Kummer aus Dachwig. Das Instrument wird 1830 durch die Orgelwerkstatt Hesse (ebenfalls aus Dachwig) repariert, späterhin von weiteren Orgelbauern. Auch wurde sie in der Tonhöhe verändert. Von 2002 bis 2004 wird die Orgel grundlegend restauriert und 2025 der Anstrich und die Vergoldung erneuert.. 

    Unzählige Stunden haben die Mitglieder der Kirchengemeinde und ihre Helfer investiert und in Eigenleistung das Kirchendach 1988 neu eingedeckt. Die Anmutung der Kirche ist wunderbar, doch unübersehbar auch anstehende Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten. Fenster werden erneuert, die Außenanlagen mit üppigem Grün gepflegt und vieles andere mehr.

    Autor: B. Köhler, Fotos: B. Köhler

    Der Altar aus Lindenholz mit integrierter Kanzel, rechts und links davon die bunten, bleiverglasten Fenster.

    Der achteckige Taufstein von 1611.

    Der spätgotische Türbogen am Zugang zum Turmzimmer.

    Die Orgel

    Der Kronleuchter von 1899.

    Die Turmspitze mit schiefergedecktem Kuppeldach.

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