100 Jahre alte Kleinbahnstrecke bildete Basis für Riethschleuder

    Die Riethschleuder fuhr erstmalig vor 50 Jahren. Doch ihre Basis ist eine vor 100 Jahren erbaute Kleinbahn Erfurt – Nottleben. Dies war eine sog. Nebenbahn, erbaut und betrieben von der Kleinbahn-AG Erfurt – Nottleben Sie zweigte im Bahnhof Erfurt Nord ab und führte über Bindersleben nach Nottleben. Eine Teilstrecke wurde für die Riethschleuder genutzt. Heute ist die gesamte Strecke stillgelegt und weitestgehend auch abgebaut.

    Die Kleinbahn-AG Erfurt-Nottleben wurde 1924 gegründet. An ihr beteiligt waren die Provinz Sachsen, Stadt und Landkreis Erfurt weitere zehn Gemeinden.

    1925 erwarb die Kleinbahn AG das 6,6 Kilometer lange Anschlussgleis zur ehemaligen Königlich Preußischen Gewehrfabrik (späterhin Optima). Dann wurde die Strecke bis Nottleben verlängert. 

    Am 11. November 1926 wurde die insgesamt 21,2 Kilometer lange Strecke eröffnet. 

    1934 wurde beim Streckenkilometer 12,2 ein neuer, 1,3 Kilometer langer, Gleisanschluss für den Fliegerhorst Erfurt-Bindersleben errichtet. 1939 folgte bei Erfurt-Marbach ein weiterer für das Heeresverpflegungsamt. Der daraus resultierende Güterverkehr umfasste zwischen 150 und 180 Güterwagen am Tag. Bereits im Jahre 1939 kam es zur Einstellung des unbedeutenden Personenverkehrs zwischen Erfurt Nord und Erfurt West, da der Westbahnhof seit dem 20. Juni 1934 einen Straßenbahnanschluss hatte. Damit waren die Innenstadt und der Hauptbahnhof für Reisende wesentlich schneller erreichbar.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke formal in Volkseigentum überführt und die Kleinbahngesellschaft aufgelöst. Betreiber der Strecke war nun die Deutsche Reichsbahn. Der Personenverkehr umfasste in der Nachkriegszeit bis zu zehn Personenzüge am Tag. Der Autoverkehr ließ die Nachfrage sinken, 1967 wurde der Personenverkehr dort eingestellt und durch Busse ersetzt. Nach der Stilllegung des Gleisanschlusses zum Optima-Büromaschinenwerk am 1. Februar 1966 folgte am 24. September 1967 die Einstellung des Güterverkehrs zwischen Alach und Nottleben.

    Während der westliche Streckenabschnitt fortan nicht mehr genutzt und in den 1970er Jahren abgebaut wurde, wurde 1976 regelmäßiger Personenverkehr bis zum neuen Haltepunkt Berliner Straße eingerichtet. Darüber hinaus wurde die Strecke zur ersten regelspurigen Traditionsbahn der DDR. In den Folgejahren verkehrten an verschiedenen Wochenenden mit Dampflokomotiven bespannte Museumszüge von Erfurt Hbf bis Erfurt West, gelegentlich auch bis Bindersleben.

    Doch als 1992 der Güterverkehr zum Flughafen Bindersleben eingestellt wurde, bedeutete dies auch das Ende des historischen Verkehrs. Es blieb allein der Güterverkehr für den Gleisanschluss des Marbacher Silos (ehemals Heeresverpflegungsamt), betrieben noch bis 2003.

    Die Strecke zwischen Erfurt Nord und Erfurt-Marbach wurde anschließend zum 31. Dezember 2003 stillgelegt. Im Jahr 2004 wurde der schon Ende Februar 1998 stillgelegte Abschnitt nach Bindersleben abgebaut. Bei Sanierungsarbeiten der Straßenkreuzung Mittelhäuser Kreuz wurde 2012 die Mittelhäuser Straße abschnittsweise saniert und dabei auch das Gleis des ehemaligen Bahnübergangs entfernt.

    2019 erfolgte zwischen der Brücke und Erfurt-Marbach die Renaturierung des Marbachs einschließlich des Rückbaus der Station Berliner Straße, wobei auch die Gleise dort entfernt wurden.

    Quelle: Wikipedia (red. bearbeitet), Foto: Stadtarchiv Erfurt

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