Kurgarten des Solebades Louisenhall um 1890

    Salz als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Erfurt im Zeitraum von 1827 bis 1947

    Erfurt hat eine lange Bergbautradition. Oftmals ist uns dies nicht bewusst und nur Straßennamen erinnern entfernt daran. Die Salinenstraße, an der die Gebäude des einst stolzen, heute doch weitgehend verfallenen „Königlichen Salzwerkes zu Erfurt“ stehen, gehört dazu.

    Bergbau in Erfurt diente der Salzgewinnung.  Die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten von Salzen  – vom Gewürz, über Solebäder bis hin zu Düngemitteln – ist beeindruckend. Zur Geschichte des „Königlichen Salzwerkes“ berichtete Wohnblog Erfurt Nord bereits ausführlich in mehreren Beiträgen (Link einfügen).

    Noch weiter in die Vergangenheit zurück reichte jedoch die Salzgewinnung in Stotternheim – ebenfalls zu unserem Erfurter Norden gehörig. Bereits 1775 gab es erste Versuche, hier Salzlagerstätten zu erschließen. Dabei schien der Zufall seine Hand im Spiel zu haben. Gesucht worden war nämlich zunächst nach Torf als Brennmaterial, nicht nach Salz. 

    Kriege, Belagerungen, Brände und wiederholte Neuordnungen des Staatsgebietes verhinderten eine zügige Erschließung. Erst 1809 konnte der „Bruch“ – ein Gebiet zwischen Stotternheim und Nöda – trockengelegt und die Förderung von Salz in Erwägung gezogen werden.

    Erfurter Landgebiete unterstanden von 1815 bis 1920  der Regierung von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1816 gehört Stotternheim zum Weimarischen Amtsbereich Großrudestedt und seit 1819 zum Amt Schwansee. 

    Damit war Staatsminister Johann Wolfgang von Goethe zuständig, denn ihm unterstand der Bergbau im Großherzogtum. Von ihm wird der damalige Spezialist, Salineninspektor Carl Christian Friedrich Glenck, beauftragt, Stotternheim in Augenschein zu nehmen für eventuelle Tiefbohrungen nach Salz. 

    Zwischen 1822 und 1827 wird schließlich die erste Bohrung im „Bruch“ durchgeführt, 1823 beginnen bereits die Bauarbeiten für die spätere Saline „Louisenhall“. 1828 wird hier erstmalig Salz gesiedet. Zu Ehren von Großherzogin Louise von Sachsen-Weimar wird die neue Saline ihren Namen tragen. Eine weitere, noch tiefere Bohrung von 345 Metern wird in den Folgejahren angelegt. Weitere Siedepfannen kommen in der Folge hinzu, insgesamt wird nun Salz in drei Pfannen gewonnen.

    1847 wird der Badebetrieb eröffnet, ein kleines Kurhaus ist errichtet. Dem gesundheitlichen Aspekt des Salzes wird damit Raum gegeben.

    1882 wird der Bahnhof Stotternheim (Bahnlinie Erfurt – Sangerhausen) in Betrieb genommen. Zuvor war eine sog. Pferdefahrpost zwischen Sömmerda und Stotternheim eingerichtet worden. So ist die Saline Louisenhall leichter erreichbar, mehr Kurgäste können kommen. Ab 1886 kommen Ferienkindergruppen aus Berlin ins Solebad.

    1887 nimmt bereits eine zweite Saline – „Neuhall“ in der Nähe des Stotternheimer Bahnhofes – den Betrieb auf.  Salz kann jetzt also direkt über den Schienenweg transportiert werden. 

    1927 wird Louisenhall umfassend saniert, und die Badeanlagen werden erweitert. Acht Jahre später wird die Saline stillgelegt, der Badebetrieb 1943 eingestellt. Zuvor hatte der Gemeinderat den Bau einer Wasserleitung abgelehnt. 

    Nach Gründung der DDR wird auch Neuhall außer Betrieb genommen. Erst 1974 wurde Stotternheim ans Wasserleitungsnetz angeschlossen, 1978 die Siedlung Louisenhall. 

    Auf dem ehemaligen Salinen-Gelände Louisenhall werden die noch erhaltenen, teils umgebauten Gebäude für Wohnzwecke genutzt. Das Gelände von Neuhall wird heute für Wohn- und Gewerbezwecke genutzt.

    Autor: B. Köhler, Fotos: 

    Die historischen Bilder sind dem Buch entnommen „Die Salinen und das Soledad zu Stotternheim“, Autor: Dr.-Ing. Heinrich Bartl, herausgegeben 2008, alle Rechte liegen beim Autor. Sie wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt, dafür gilt unser besonderer Dank. Ebenso danken wir für die fachkompetente Unterstützung durch Jörg Bodenstein, Erster Vorsitzender und Hartmut Weirauch, Mitglied des Vorstandes Bergmannsverein "Otto Ludwig Krug von Nidda" e.V., Erfurt.
    Arbeitsvorgang an der Siedepfanne
    Logierhaus „Charlotte“ um 1900

    Solebad; Grotte im Kurpark um 1920

    Weg / Eingang zum Solebad um 1920

    Saline und Solebad Louisenhall mit Erfrischungsraum (undatiert, vermutlich 1925)

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